Die recycelte Wärme

Energiesparmaßnahmen in Leoben

Große Betriebe mit betagten Anlagen vergeuden Unmengen an Energie, sagen die einen. Genau diese Werke haben aber auch das größte Einsparungspotenzial, argumentieren die anderen. Zu den „anderen“ gehört Mühlböck, Eberschwang.

Das Unternehmen installiert gerade acht neue Trockenkammern bei Mayr-Melnhof Holz in Leoben.

Mit knapp 1 Mio. fm Jahreseinschnitt ist der Mayr-Melnhof Holz- Stammsitz Leoben einer der ganz großen Sägewerksstandorte des Landes. Die steigende Nachfrage nach trockenem Schnittholz brachte das Unternehmen in den vergangenen Wintern immer wieder an die Leistungsgrenze. Es schien, als würde die Wärmemenge des 24- MWBiomassekraftwerks nicht mehr lange für die Energieversorgung des Betriebes ausreichen. Neben 36 klassischen Frischluft-Abluft-Kammern und einem Bandtrockner für die Spanaufbereitung versorgt das Unternehmen auch die benachbarte Brauerei Göss mit Wärme.

Sparen mit Wärmerückgewinnung
Die Lösung brachte der Austausch von elf bestehenden gegen acht neue Mühlböck-Trockenkammern Typ 1003 mit jeweils 218 m3 Nettoinhalt oder 177.000 m3 Jahreskapazität. „Diese können die eingebrachte thermische Energie wesentlich effizienter nutzen und trocknen zudem deutlich schneller“, informiert Mühlböck-Mitarbeiter Heinz Reisenbichler. Besonders vom Trocknungsbeginn bis hin zur Fasersättigung muss eine Trocknungsanlage beträchtliche Wassermengen verdampfen. Dies führt wiederum zu Leistungsspitzen an der Kesselanlage. Typ 1003 Kammern beziehen die dafür benötigte Wärme nicht von der Heizung, sondern aus der rückgewonnenen Energie anderer Kammern, die im unteren Holzfeuchtebereich trocknen.

Zusätzliche Qualitätsverbesserung
Der Wasserentzug über Fasersättigung erfolgt dabei mit vergleichsweise niedriger Temperatur, im Jahresdurchschnitt sind es 35° C. Die Luft geht dabei nur ein Mal durch den Holzstapel, sättigt sich vollständig und kühlt dabei nahezu auf Außentemperatur ab. Durch die niedrige Temperatur erfolgt eine bevorzugte Trocknung nasser Bretter, woraus wiederum eine gleichmäßigere Endfeuchte resultiert. „Diese Qualitätssteigerung war für uns ein weiteres wichtiges Entscheidungskriterium“, informiert Mayr-Melnhof-Betriebsleiter Richard Metnitzer.

Es zahlt sich aus
Besonders deutlich macht die Energieeinsparung ein von Mühlböck aufgestelltes Rechenbeispiel. Dabei beziffert das Unternehmen den thermischen Energiebedarf bei der Verwendung herkömmlicher Technik mit 250 bis 290 kWh/m3 in allen Sortimenten beziehungsweise 450 bis 490 kWh/m3 bei Seitenware. Werte, die sich laut Mühlböck beim Einsatz einer Typ1003-Kammer halbieren. Mit der eingesetzten Jahreskapazität von 177.000 m3 ergibt sich daraus für Mayr-Melnhof eine Einsparung von 22 bis 43 GWh/J an thermischer Energie. „Dazu kommt noch eine deutliche Stromeinsparung durch die kürzeren Trocknungszeiten“, ergänzt Metnitzer die Rechnung.

Wichtige Investition
Unterm Strich hat Mayr-Melnhof seine Trocknungskapazitäten durch diese Investition in Leoben um 25 bis 35 % gesteigert – eine Maßnahme, die laut Metnitzer dringen notwendig war. Zwar verkauft das Unternehmen immer noch einen Teil seiner Ware frisch, doch bemerken auch die Steirer die steigende Nachfrage an trockenem Holz. In Paskov/CZ, einem weiteren Mayr-Melnhof-Standort, hat Mühlböck vier bestehende Classic-Trockenkammern ebenfalls auf das System 1003 nachgerüstet.

Breites Vertrauen
Warum sich Mayr-Melnhof wieder einmal für Mühlböck entschieden hat, erklärt Metnitzer, wie folgt: „Natürlich sieht man sich bei einer derartigen Investition mehrere Anbieter an. Wegen der Kombination aus langjähriger guter Zusammenarbeit und überzeugender Technologie landeten wir aber rasch wieder bei den Oberösterreichern.“ Installiert wurden die Kammern in den Sommermonaten, derzeit steht man kurz vor der Inbetriebnahme. Eine möglichst kurze Umbauphase war für Mayr-Melnhof dabei entscheidend. Hier nennt Metnitzer eine solide Vertrauensbasis ebenfalls als wichtiges Kriterium: „Bei Mühlböck wussten wir, dass die vereinbarten Termine auch eingehalten werden.“

Holzkurier 35/2016, Günther Jauk