Im hohen Norden

Österreichische Technik in finnischem Sägewerk

Kohiwood_Kanal1003

Das finnische Unternehmen Kohiwood hat sich auf den Einschnitt besonders schwacher Stämme spezialisiert.

Den Großteil der Schnittware verleimt das Unternehmen zu Massivholzplatten für die Möbelindustrie und verschifft diese rund um den Globus. In puncto Holztrocknung setzen die Finnen seit Jahren auf österreichische Technologie.

Kohiwood im finnischen Soini ist alles andere als ein gewöhnliches Sägewerk. Das 1987 gegründete Unternehmen hat nach dem Kollaps der heimischen Bauwirtschaft Anfang der 1990er-Jahre auf verleimte Möbelelemente fokussiert. Neben Komponenten für Fenster und Türen sind es vornehmlich ein- und dreischichtige Massivholzplatten, die Kohiwood produziert. Zum Kundenstamm zählen Möbelhersteller auf der ganzen Welt, die Schwerpunktmärkte befinden sich in Europa, Asien und Nordafrika.
Bemerkenswert ist vor allem der eingesetzte Rohstoff. Kohiwood verwendet ausschließlich Rundholz aus der zweiten Durchforstung. Die außergewöhnlich dünnen Kiefern- und Fichtenstämme sind maximal 3 m lang und kommen zu 90 % aus einem Umkreis von 100 km. Mithilfe von zwei Sägelinien produziert das Unternehmen jährlich rund 90.000 m3 Schnittholz in Möbelqualität. Zwei Drittel davon werden unternehmensintern weiterverarbeitet, der Rest wird verkauft. „Unsere Kunden schätzen vor allem die kontinuierlich hohe Qualität unserer Produkte“, erklärt Anssi Hintsa, einer der beiden Geschäftsführer.

Österreichisches Know-how
Für den Einsatz in der Möbelindustrie muss Kohiwood seine Lamellen auf 10 % Holzfeuchte trocknen – ein Bereich, in dem der Wasserentzug mit erheblichem Aufwand verbunden ist. „Trotzdem müssen Qualität und Wirtschaftlichkeit stimmen“, betont Hintsa. Seit der Jahrtausendwende arbeiten die Finnen auch mit Mühlböck-Kammern. Damals investierte das Unternehmen in eine neue Sägelinie, ein Heizwerk und sechs Frischluft-Abluft-Kammern der oberösterreichischen Trocknungsspezialisten – eine Entscheidung, die Hintsa nicht bereut: „Wir sind davon überzeugt, dass Mühlböck technologisch einen Schritt voraus ist. Zudem sind unsere Kunden mit der Trocknungsqualität sehr zufrieden.“ 2014 setzte sich Hintsa wiederum mit Mühlböck in Verbindung. Dieses Mal ging es um eine Kapazitätserweiterung. Die Entscheidung fiel zwischen einem Kanaltrockner und mehreren Frischluft- Abluft-Kammern. „Dass es wieder ein Mühlböck-Produkt wird, stand schnell fest“, erinnert sich Hintsa. Nach langer Überlegung brachte ein Brand im September 2015 die Entscheidung. Das Unternehmen musste handeln und investierte in einen Kanaltrockner Typ 1003. Mit einem Nettovolumen von 777 m3 und einer Gesamtlänge von 87 m verfügt der Energiespar-Kanal über 40.000 m3 Jahreskapazität.

Typ 1003 spart Energie
Anders als bei herkömmlichen Trocknungsanlagen wird beim Wärmerückgewinnungssystem Typ 1003 mit der gesamten Energie aus der Abluft einer Trocknungszone die frische Zuluft einer anderen Trocknungszone aufgeheizt. „Die so ‚kostenlos‘ aufgeheizte Luft wird für die Vortrocknung verwendet“, erklärt Richard Mühlböck – er war für das Projekt verantwortlich.
Die drei Trocknungszonen sind Vor-, Haupt- und Nachtrockner. Etwa die Hälfte der Feuchtigkeit wird in der ersten Zone abgetrocknet. Haupt- und Nachtrockner entziehen dem Holz das restliche Wasser. Die Abluft aus Haupt- und Nachtrocknungszone strömt durch einen Wärmetauscher. Dabei kondensiert die zuvor dem Holz entzogene Wassermenge, wodurch ein Großteil der verbrauchten Energie zurückgewonnen wird. Die entfeuchtete Abluft wird dem Trockner wieder zugeführt. Für die Vortrocknung wird ausschließlich thermische Energie aus der Wärmerückgewinnung eingesetzt. Die Luft für den Vortrockner wird über dem fertiggetrockneten Holz in der Ausfahrzone angesaugt und absorbiert dabei dessen Restwärme. Danach strömt die Luft durch den Technikraum unter dem Dach, in welchem die gesamte Heizungsverrohrung untergebracht ist, und nimmt dort die vorhandene Wärme auf. „So können wir Isolationsverluste vermeiden und den Energieverbrauch gegenüber herkömmlichen Systemen halbieren“, erläutert Mühlböck.

Immer zur Stelle
In Betrieb ist der neue Kanaltrockner seit Juli. Wie bereits bei den bestehenden sechs Mühlböck-Kammern schätzt Hintsa vor allem die gute Zusammenarbeit mit den Oberösterreichern: „Mühlböck hat alle Versprechen gehalten und kümmert sich auch nach dem Verkauf um seine Anlagen. Trotz der großen Entfernung werden auftretende kleinere Probleme immer sofort in Angriff genommen und behoben.“
Für Mühlböck gehört die Betreuung der Anlagen über den gesamten Lebenszyklus zur Unternehmensphilosophie. „Durch dieses Service bleiben wir mit unseren Kunden in Kontakt – ein Vorteil für beide Seiten, wie die Zusammenarbeit mit Kohiwood sehr deutlich unter Beweis stellt“, so Mühlböck abschließend.

Holzkurier 46/2016, Günther Jauk


Montage Kanaltrockner

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